Sefecha - ein System von Provinzbahnen
im Nordosten von Argentinien
 
Ganz im Norden von Argentinien hat eine relativ arme Provinz ein Eisenbahnsystem verwirklicht, 
welches ganz im Sinne des FLB ist: mit bescheidenen Mitteln eine Stadtbahn und zwei längere Eisenbahnlinien für den interprovinziellen Verkehr zu verwirklichen, wie wir uns dies vorgestellt 
haben. Diese Seite ist den mutigen Pionieren im Chaco gewidmet, welche uns zeigen, dass man mit etwas Spürsinn und Talent eine Idee verwirklichen kann, welche der gesamten Bevölkerung nützt.
  
Erfreulicherweise wird das Angebot von der Bevölkerung über Erwarten genutzt. Zwischen 1997 und 2004 wurden insgesamt 2'520'000 Passagiere befördert, davon im Jahr 2004 alleine 650'000. Für 2005 hofft man auf eine Steigerung auf 750'000 Passagier, was einem monatlichen Durchschnitt von 62'000 Passagieren entspricht. Ein neues Quartier mit 2'000 Einwohnern in Cacui hat zu diesem Erfolg beigetragen.
 
Die Provinz Chaco liegt im Nordosten von Argentinien. Nordwestlich der Provinz Chaco liegt die Provinz Salta, im Norden die Provinz Formosa, welche beide an Paraguay grenzen, im Westen die Provinz Santiago del Estero, im Süden die Provinz Santa Fé und im Südosten die Provinz Corrientes, welche ebenfalls an Paraguay grenzt. Die Distanz zu Buenos Aires beträgt ca. 1000 km. Die Provinz selbst setzt sich aus 25 Bezirken (Departementos) zusammen. Die Oberfläche ist mit 99'633 Quadratmetern zweimal grösser als die Schweiz, die Bevölkerung betrug 2001 knapp eine Million Einwohner. Die Zeit ist GMT (Greenwich Mean Time) minus 3 Stunden. Die Einwohner nennen sich Chaqueños. Chaco ist in Argentinien gleichbedeutend mit Baumwolle. Es ist eine junge Provinz, hauptsächlich mit Agrarwirtschaft, meist Baumwolle und Viehwirtschaft. Sie enthält mit 50'000 Menschen eine der prozentual grössten Einwohnerschaft von Ureinwohnern, darunter die Stämme Wichis, Tobas und Mocoviés, von denen sich die ersten vor rund 6000 Jahren ansiedelten. Anschliessend folgten die Spanier. Auch bei den europäischen Einwohnern herrschen für Argentinien ungewohnte Nationen vor, wie Tschechen, Slowaken, Bulgaren und Yugoslawen. Da es keine weiteren Erwerbsquellen gibt, gehört die Provinz zu den ärmsten in Argentinien. Tourismus ist weitgehend unbekannt, Attraktionen sind der Nationalpark von Chaco, die Thermalquellen und der zoologische Garten von Sáenz Peña, die internationale Skulpturen-Biennale und das jährliche nationale Baumwollfest.
 
Hauptstadt der Provinz ist Resistencia, hauptsächlich eine Verkehrs- und Verwaltungsstadt, die im Südosten der Provinz liegt. Sie ist die bevölkerungsreichste Stadt der Provinz und wird auch "Stadt der Skulpturen" genannt, denn es stehen dort eine grosse Zahl dieser Kunstwerke. Sie wurde 1878 gegründet und hatte im Dezember 2001 ca. 275'000 Einwohner. Die Region nennt sich Gran Resistencia. Die beiden Flüsse Paraná und Negro durchqueren die Stadt, sorgen aber auch für die häufigen Ueberschwemmungen, hauptsächlich der Fluss Paraná. 
 
Neben den Nationalstrassen 11 (nach Buenos Aires) und 16 (nach Salta), welche auch Teil der Verbindung zwischen den Ozeanen bei Brasilien und Chile sind, gab es zwei Bahnsysteme: die Eisenbahn Belgrano, die ein grosses Meterspurnetz nördlich von Buenos Aires betrieb (siehe Linienplan), sowie die Eisenbahn Santa Fé, deren Linien aber seither aufgehoben wurden, sodass heute nur Belgrano Cargas bleibt. Sefecha (Servicio Ferroviário del Chaco) ist die Eisenbahn der Provinz Chaco, welche die Geleise der Belgrano Cargas benutzt und die als einzige ausserhalb Buenos Aires eine Stadtbahnlinie betreibt. Des weiteren gibt es einen Flughafen, und während der Rio Negro nicht mehr befahrbar ist, gibt es vom naheliegenden Hafen Barranqueras Flusstransporte auf dem Rio Paraná. Von Barranqueras aus begann auch die Stadt zu wachsen, und am Fluss selbst wurde viele Industriebetriebe angesiedelt, die der Veredelung der Produkte aus dem Rest der Provinz dienten. Die interprovinzielle Flussbrücke über den Paraná, welche die Stadt mit Corrientes verbindet, ermöglichten den Ausbau der Stadt. 
 
Die Sefecha betreibt oder betrieb insgesamt 4 Linien: die Linie 1 von Resistencia nach Sabana und Los Amores, die Linie 2 (inzwischen infolge mangelndem Zuspruch eingestellt), von Roque Sáenz Peña in Richtung Nordwesten nach Pampas De Los Guanacos und Taco Pozo, die Linie 3 von Roque Sáenz Peña nach Chorotis, und die Stadtbahnlinie Metropolitano von Porta Tirol nach Barranqueras und als neue Zweiglinie nach Vilelas. Diese Linien hängen natürlich zusammen, und um dies anschaulich zu machen, hat der Webmaster die Linien sowohl einzeln als auch die Verbindung zwischen den Linien separat dargestellt. 
 
Linie 1: Resistencia - La Sabana - Los Amores
Los Amores liegt in der Provinz Santa Fé
 
Fahrplan: täglich Abfahrt in Resistencia 15.00, Ankunft in La Sabana 19.30
Freitag/Sonntag Weiterfahrt nach Los Amores, Ankunft 02.50
Rückfahrt: Freitag/Sonntag Abfahrt in Los Amores 20.03
Täglich La Sabana  ab 03.15, Ankunft in Cacui 06.52, anschliessend mit Lokalzug nach Resistencia
Fahrpreis P$8.50 bis La Sabana, P$9.50 bis Los Amores
Eröffnet 23. Dezember 1997, 144 km. Fahrzeuge: MAN (modernisiert)
 

Linie 1 violett, Linie Metropolitana blau
 
 Linie 2: Roque Saenz Peña - Pampa de los Guanacos - Taco Pozo
 
Die Züge verkehrten ab dem 27. März 1998 von Roque Sáenz Peña über Pampa de los Guanacos bis 
Taco Pozo ein Stück weit durch die Provinz Santiago del Estero. Länge der Strecke 319 km, 
die Züge verkehrten dreimal pro Woche.
 

Linie 2 dunkelrot, Linie 3 rot
                . 
Linie 3: Roque Sáenz Peña - Chorotis
 
Fahrplan: Abfahrt in Roque Sáenz Peña Täglich 17.00, Ankunft in Chorotis 21.55
Rückfahrt: Täglich Chorotis 04.00, Ankunft in Roque Sáenz Peña 08.55
Fahrpreis P$8. Eröffnet 1998, Distanz km190. Fahrzeuge MAN, modernisiert
 

Linie 2 dunkelrot, Linie 3 rot
 
Linie Metropolitano: Puerto Tirol -  Puerto Barranqueras und - Puerto Vilelas
 
Fahrplan: Montag bis Freitag Pto. Tirol ab 05.00 V, 06.35 V, 07.15, 08.45, 11.45, 15.00, 16.35 V, 19.34
Freitag Cacui ab 13.01
Samstag Pto. Tirol ab 06.35 V, 07.15, 08.45, 11.45
 
Rückfahrt: Montag bis Freitag Pto. Barranqueras ab 05.09, 08.54, 11.54, 13.11, 15.09, 16.44, 20.00
Montag bis Freitag Pto. Vilelas ab 06.05, 07.40, 18.00
Samstag Pto. Barranqueras ab 05.48, 08.54, 11.54
Samstag Pto. Vilelas ab 07.40
 
Alle mit V bezeichneten Züge fahren nur bis  Pto. Vilelas, die übrigen verkehren via Pto.Vilelas nach Pto. Barranqueras.
 
Fahrpreis: Cacui - Pto. Vilelas oder Pto. Barranqueras P$0.50
Pto. Tirol - Pto. Vilelas oder Pto. Barranqueras P$0.75
 
Distanz: 17 km, Fahrzeit ca. 60 Minuten
Neu wieder in Betrieb genommen ist das Teilstück nach Vilelas (1,6 km)
Fahrzeuge: Ferrostaal, umgebaut
 

Stationsplan der Linie Metropolitana (A=Nordosten, D und E=Südosten)
  
Verbindungslinie zwischen Linien 1/Metropolitana, und Linien 2/3
Linie 1 violett, Linie Metropolitana blau, Linie 2 dunkelrot, Linie 3 rot
 
Die Fahrzeuge
 
Im Jahre 1959 lieferte Ferrostaal eine Serie von Fahrzeugen an die FEVE, Ferrocarriles Españoles de Via  Estrecha, zu deutsch spanische Schmalspurbahnen, welche die meisten Meterspur-Privatbahnen Spaniens bis 1978, teils (Mallorca) bis 1994 betrieb. Nachher wurden die Bahnen auf die entsprechenden Provinzen aufgeteilt, und die FEVE konzentrierte sich auf die Linien im Norden Spaniens. Im Jahre 1966 lieferte MAN in Nürnberg eine Serie von 19 kompletten Triebwagen und Sätze für 43 Motor- und 26 Steuerwagen an verschiedene Privatbahnen in Spanien. Davon gingen 4 komplette Triebwagen und Sätze für 20 Motor- und 20 Steuerwagen an die FEVE, die sie auf verschiedenen Linien einsetzte. Die Abmessungen waren für alle Fahrzeuge identisch, und alle Motoren stammten von MAN. Auch äusserlich glichen sich die Fahrzeuge. Die Erzeugerfirma heisst heute MAN-Ferrostaal, und schon 1937 trat Ferrostaal ein Bestellung aus Chile an MAN ab. 
 
Von diesen Fahrzeugen, die zuletzt auf dem Meterspurnetz der SFM, Serveis Ferroviaris de Mallorca (Ferrocarriles de Mallorca) auf der Insel Mallorca verkehrten,  gelangten  6 Züge (davon ein Zug als Ersatzteilmaterial) mit je einem Motor- und Steuerwagen von Ferrostaal und  4 Züge mit je einem Motor- und Steuerwagen von MAN nach Resistencia. Drei Ferrostaal-Züge sowie drei MAN-Züge und zwei MAN-Einzelfahrzeuge mit zwei Führerständern wurden von der Firma Igarreta in Buenos Aires umfassend renoviert und erhielten grösstenteils neue Fronten mit Halogenscheinwerfern, neue elektrische Installationen und teilweise Airconditioning. Damit können sie bis zu 90 km/h fahren, falls der Schienenzustand dies zulässt. Die Ferrostaal-Züge mit den Nummern F1 bis F3 verkehren auf der Stadtbahnlinie, die MAN-Fahrzeuge mit den Nummern F4 bis F6 verkehren auf den Linien 1 und 3. Das Ferrostaal-Fahrzeug Nr. 1 fährt meist als Zusatzfahrzeug nach Los Amores. Es wurde am ausführlichsten modernisiert und erhielt neben den erwähnten Neuerungen eine komplett neue, gerundete Form, eine chemische Toilette und 64 verstellbare Sitze. Die grösste Neuerung war ein dieselektrischer Drehstromantrieb, der eine Brennstoffersparnis von 60% erlaubte. 
 
Die technischen Daten der Ursprungs-Fahrzeuge von MAN:
 
Länge 16,7 Meter, Breite 2,45 Meter, Achsstand der Drehgestelle 2,2 Meter. Die Trieb- und Laufgestelle mit Schraubenfederung sind identisch, durch Einbau bzw. Entfernen des Motors können sie umgewidmet werden. Der Wagenkasten ist selbsttragend in Stahlleichtbauweise. Der MAN-Sechszylindermotor vom Typ D 2156 HM2 US leistete in der Ursprungsversion 155 kW bei 2100 U/Min (210 PS). Voith-Turbokupplung und Voith-Diwa-Getriebe Bauart 501. Mit Scharfenberg-Kupplung 17,5 m lang, Drehzapfen-Abstand 11,7 m, Gewicht Triebwagen 23,3 t, Steuerwagen 18,3 t. Ursprünglich waren 64 Sitzplätze in drei Abteilen und bis zu 64 Stehplätze, total 128 Passagiere.
 
Die technischen Daten stammen aus dem Buch "MAN - 150 Jahre Schienenfahrzeuge aus Nürnberg" von Lutz Uebel 
und Wolfgang D. Richter. EK-Verlag GmbH., D-79022 Freiburg im Breisgau, ISBN-Nr. 3-88255-562-9, 1995. 
 
 Der komplett modernisierte Triebwagen Nr. 1
Passagiere besteigen den Triebwagen Nr. 1
Grossaufnahme
 
 Eröffnungszug der Stadtbahn. Vorne der Triebwagen Nr. 1, hinten ein modernisierter Ferrostaal-Triebwagen
Inneres des Triebwagens Nr. 1
 
Grossaufnahme
 Modernisierter Ferrostaal-Triebwagen 
an der Endstation Vilelas
 Nicht modernisierter MAN-Triebwagen 
abfahrtbereit in Cacui
Grossaufnahme
 
  
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