Die neuen Strassenbahnen "Bonde" in Santa Teresa, Rio de Janeiro, Brasilien
 
Copyright Fotos und Text: Verein FLB, Freunde lateinamerikanischer Bahnen, Winterthur, Schweiz
 
Nachdem es sich herausgestellt hatte, dass die mechanisch aus der vorletzten Jahrhundertwende stammenden Strassenbahnwagen einer dringenden Erneuerung bedurften, wurde zwischen der Gesellschaft Central, dem aktuellen Betreiber der Strassenbahn, und der Firma T'Trans in Três Rios, ursprünglich ABB Brasilien, ein Vertrag über die Erneuerung der Strassenbahnen abgeschlossen. Der Vertrag lief über 14 Fahrzeuge, was für einen normalen Betrieb genügend sein wird. 
 
Alle Teile der Karosserie wurden vermessen und genau nachgebaut. Das Untergestell und die elektrischen Einrichtungen sind neu. Das Fahrzeug verfügt über eine elektropneumatische Bremse als Betriebsbremse und eine mechanische Handbremse für das Stationieren des Fahrzeuges. Eine elektromagnetische Schienenbremse, unentbehrlich im Stadtverkehr, wurde leider nicht eingebaut, sodass sich bei einer Kollision mit einem Taxi, bei welcher der Luftschlauch durchtrennt wurde, das Fahrzeug rückwärts in Bewegung setzte und einen Unfall mit einem Toten verursachte. Aufgehalten wurde es durch einen bergaufwärts fahrenden Bus.
 
Erstmals sind auf dieser Seite Aufnahmen von Teilen der Fahrzeuge (Führerstand, Luftbremse und Untergestell) sowie Aufnahmen aus dem Trammuseum und dem Betriebshof zu sehen.  Seit der ursprünglichen Seite wurden weitere Fotos integriert.
 
Seither haben sich leider zwei weitere Unfälle mit Todesopfern ereignet. Der erste Unfall betraf einen Belgier, der auf dem Trittbrett fuhr und auf dem berühmten Lapa-Viadukt aus unbekannten Gründen abstürzte. Zwar hat es ein metallenes Sicherheitsnetz, doch just an der Stelle, wo der Mann abstürzte, war das Netz defekt. Es war ein Streit entbrannt, ob dieses Reparatur in die Zuständigkeit der Stadtverwaltung oder in diejenige der Strassenbahn fiel, und deshalb wurde die Reparatur nicht vorgenommen.
 
Der zweite Unfall war bedeutend schwerwiegender. Ein talwärts fahrender, nicht restaurierter Wagen, geriet aus unbekannten Gründen ausser Kontrolle. Die Bremsen versagten, und das Resultat ein total zerstörtes Fahrzeug mit fünf Totent und mehreren Verletzten. Wieder hätte eine elektromagnetische Schienenbremse, die nie vorhanden war, den Unfall vermeiden oder vermindern können. Beigetragen hat eine enorme Ueberlastung des Fahrzeuges durch zuviele Passagiere und mangelnde Ausbildung des Fahrers. Früher wurde in einem ähnlichen Fall der Wendeschalter auf "rückwärts" gestellt und eine oder zwei Fahrstufen Strom gegeben, was zwar die Widerstände beschädigt hätte, aber das Fahrzeug sicher gestoppt hätte. Dieses Vorgehen war dem Fahrer, der auch unter den Toten war, wohl unbekannt.
 
Als Folge davon wurde der Betrieb eingestellt, und er wird es wohl bis 2013 sein. Die nachfolgende Untersuchung hat haarsträubende Zustände ergeben. Da oft Teile ersetzt werden mussten, improvisierte man mit zugekauften Metallstücken, welche das Personal aus der eigenen Tasche beglich. Offenbar hatte man keine Ersatzteile gekauft, und so improvisierte man. Es stellte sich heraus, dass wegen der ungenügenden Leistung maximal drei Fahrzeuge gleichzeitig verkehren konnten, was diese natürlich überlastete. Die Fahrleitung war in schlechtem Zustand. Die neuen Schienen waren schlecht eingebaut worden und nützten sich sehr rasch ab. Die Fahrgestelle der renovierten Fahrzeuge waren viel schwerer als die bisherigen Peckham-Fahrgestelle.  Es waren eigentliche Eisenbahn-Untergestelle,  und sie beschädigten die Schienen zusätzlich. Die Peckham-Gestelle, eigentliche leichte Tramgestelle, hatte man verschrottet. Glücklicherweise hatte man nur 7 Fahrzeuge renoviert, da inzwischen das Geld ausgegangen war. Eine detaillierte Abrechnung des Umbaus wurde nie erstellt.
 
In dieser schwierigen Lage hatte man eine geniale Idee. Man kontaktierte die Strassenbahn von Lissabon in Portugal, Carris, die grosse Erfahrung mit älteren Fahrzeugen und schwierigen Betriebsverhältnissen einschliesslich Steilstrecken besitzt. Sie betrieben auch die Strassenbahn nach Santa Teresa in den 40er Jahren des letzten Jauhrhunderts und kennen sie deshalb bestens. Nun hat die örtliche Regierung einen Beratungsvertrag mit Carris abgeschlossen, und so kann man nur hoffen, dass es diesmal besser klappt. Carris schlug auf Grund eigener Erfahrungen den Einbau von rutschfesten Schienen vor.
 
Somit müssen folgende Arbeiten ausgeführt werden: die Schienen müssen ersetzt werden. Geplant ist der Ersatz der gegenwärtigen Vignolschienen mit Seitenschutz durch Rillenschienen, die einen besseren Halt geben. Die Fahrzeuge müssen neue leichtere Gestelle erhalten, und es ist zu hoffen, dass diesmal Hanning & Kahl elektromagnetische Schienenbremsen eingebaut werden, wie dies in Europa üblich ist. Das Unterwerk muss verstärkt werden. Die Fahrzeitung muss ersetzt werden. Seinerzeit hatte Carris zusammen mit der deutschen Zubehör-Firma Hanning & Kahl eine Offerte für den Umbau der Fahrzeuge eingereicht, die leider unterlag. T'Trans hat keinerlei Erfahrung mit Tramfahrzeugen, denn in ganz Lateinamerika gibt es nur zwei Strassenbahnbetriebe; der andere ist in einem Vorort von Buenos Aires angesiedelt. Es ist zu hoffen, dass die vorsintflutlichen Verhältnisse in der Strassenbahnwerkstatt saniert werden. Die Maschinen stammen grösstenteils aus der Eröffnungszeit und wurden lediglich grün gestrichen. Es müssen auch genügend Ersatzteile geliefert werden, und das Fahr- und Werkstattpersonal muss gründlichst geschult werden. Nur so lässt ich vermeiden, dass sich die Ereignisse wiederholen und der Betrieb endgültig eingestellt werden müsste. Das Tram steht unter Denkmalschutz, und Geld ist genügend vorhanden. Niemand darf mehr auf den Trittbrettern fahren, und stehende Passagiere sollten vermieden werden.

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Quellen: Revista Ferroviária
und Aufenthalte des Webmasters in Rio de Janeiro von1994 bis 1997
 
Ansicht des Betriebshofes. Das Gebäude im 
Hintergrund war die Bergstation einer Standseilbahn
Einfahrt zum Betriebshof (im Rücken des Fotografen). Links die Umformerstation, rechts der  Aufgang zum Museum
  
Im Hintergrund das Trammuseum und  Büroräume
 
  
Modell eines Tramwagens, das keinem existierenden 
Tram in Brasilien entspricht, in den früheren Farben 
des Trams von Sta. Teresa, im Trammuseum
    
So fing es an: Einer der ersten 
Pferdetramwagen der Strassenbahn
Einer der neu umgebauten Tramwagen, 
erkennbar am Aufbau auf dem Dach
    
 Führerstand der neuen Fahrzeuge. Links der Kontroller, 
der Luftdruckanzeiger und die mechanische Handbremse
 
Ansicht des Kontrollers. Links der Fahr- und 
Bremshebel, daneben der Wendeschalter, dahinter 
die Kontrollichter und Schalter
  
Luftbremsausrüstung
Der Luftbehälter unter einer Sitzbank
  
Teil des Untergestells 
 Untergestell des neuen Fahrzeuges. Links das Sanderrohr 
  
 Anblick von Werkstatt und Betriebshof, talseitig
 Anblick von Werkstatt und Betriebshof, bergseitig
 
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