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São Paulo/Santos, Brasilien, 2002
Standseilbahnen in Santos (Teilstaat São Paulo) In Santos gab es insgesamt zwei Standseilbahnen: Die erste, das Funicular Nova Cintra, eine Bahn mit Wasserbetrieb, auf der Nordseite des Hügels der bekannten Monte Serrat-Bahn gelegen. Die Nova Cintra-Bahn wurde 1902 eröffnet und 1922 nach einem schweren Unfall wegen Kabelbruches eingestellt. Die zweite Bahn, die eigentliche Monte Serrat-Bahn, noch immer im Betrieb, führte anfangs zu einem Kasino. 1946 wurden auf Wunsch der Bevölkerung sämtliche Kasinos Brasiliens verboten und geschlossen. Verblieben sind Gesellschaftssäle, in denen heute hauptsächlich Familienfeiern stattfinden, ein Restaurant und ein Café, alles im ursprünglichen Stil. Ferner hat es eine Terrasse, ein wunderschöner Aussichtspunkt über die Stadt, und damit ist der Monte Serrat eine touristische Attraktion. Sehenswert ist auch die Kapelle Nossa Senhora de Monte Serrat, welche 1598 erbaut wurde. 1614 rettete ein Erdrutsch die Stadt Santos vor einer holländischen Invasion, was als Wunder betrachtet wurde. In der "Bibel" der Standseilbahn-Fans (den sogenannten Funicophilen), dem Buch des Winterthurer Maschineningenieurs Walter Hefti mit dem Titel "Schienenseilbahnen in aller Welt", 1975 im Verlag Birkhäuser in Basel erschienen und heute vergriffen, sind in der Liste der Bahnen unter den Nummern 237.03 und 237.04 zwei Bahnen aufgeführt. Die erste Bahn, mit "São Paulo" bezeichnet, weist ein Eröffnungsjahr von 1914 auf, wurde von der Maschinenfabrik Esslingen erbaut, hatte eine Spurweite von 1 Meter, eine horizontale Länge von 260 Metern, eine Höhendifferenz von 142 Metern, einen Weichenradius (Weiche System Abt) von 200 Metern und eine maximale Steigung von 730 Promille . Der Eintrag im Buch von Hefti beruht auf einem Buch von Max Mayer von 1924 über die Produkte der Maschinenfabrik Esslingen: "Lokomotiven, Wagen und Bergbahnen. Geschichtliche Entwicklung in der Maschinenfabrik Esslingen seit dem Jahre 1846", VDI-Verlag Berlin SW19, ebenfalls vergriffen. Die zweite Bahn, korrekt mit Santos - Monte Serrat angeschrieben, wird mit dem Eröffnungsjahr 1927 aufgeführt, hat ebenfalls eine Spurweite von 1 Meter, eine horizontale Länge von 250 Metern, eine Höhendifferenz von 120 Metern und den gleichen Weichenradius von 200 Metern mit einer Maximalsteigung von 500 Promille. Nachdem der Webmaster monatelang, teils vor Ort, teils mit Hilfe örtlicher Sachkundiger eine Standseilbahn in der Hauptstadt des Teilstaates São Paulo, der Stadt São Paulo, gesucht hatte (die Stadt ist flach, eine Standseilbahn ist unmöglich) und auch in der Umgebung der Stadt nicht fündig wurde, nimmt er heute an, dass die beiden Einträge die gleiche Bahn betreffen. Dabei hat Hefti für die erste Bahn im Buch von Mayer abgeschrieben, für die zweite Bahn kamen die Daten wohl direkt aus Santos, denn die Bahn war bekannt. Warum dann diese Differenzen der Daten? Es ist heute bekannt, dass die Bahn 1914 hergestellt wurde (und damit war die Angelegenheit für die Maschinenfabrik Esslingen erledigt), sie aber infolge des Weltkrieges erst nach Ende des Krieges nach Brasilien verschifft wurde und erst 1927 fertig gebaut und eröffnet wurde. 1928 gab es dann einen grossen Erdrutsch, der die Bahn stilllegte, und sie wurde erst 1933 wieder eröffnet. Daraus, aber eventuell auch wegen falscher Daten, ergeben sich die Differenzen in Länge, Höhendifferenz und Steigung. Ein weiteres Indiz ist der verwendete Motor von AEG, was deutlich für die Herkunft aus Deutschland spricht. Es ist eine der wenigen bekannten Tatsachen, dass die Bahn aus Deutschland stammt. Andere Hersteller in Deutschland, die eine solche Bahn herstellen konnten, gab es damals nicht. Nach Meinung des Webmasters ist damit das Rätsel des Hersteller der Bahn gelöst, es handelt sich eindeutig um die Maschinenfabrik Esslingen. Die Fabrik hat inzwischen den Betrieb eingestellt, die technischen Unterlagen sind irgendwo in einem Museum, aber erst in 30 Jahren zugänglich. Auch wird im Buch von Mayer eine andere Bahn in Salvador im Teilstaat Bahia nicht mit "Salvador", sondern mit "Bahia" bezeichnet. Eine solche Vertauschung von Stadt und Teilstaat ist in Brasilien normal, und das würde auch die offensichtlich unkorrekte Bezeichnung "São Paulo" (Teilstaat) statt "Santos" erklären. Die übrigen Daten der Bahn: Der elektrische Antrieb erfolgte mit Drehstrom 220 Volt, der Motor hatte eine Leistung von 100 PS bei 730 Umdrehungen pro Minute. Der Reserve-Motor ist von Magneti Marelli in Milano/Italien und leistet 70 PS. Die beiden Wagen hatten zwanzig Sitzplätze und 50 Stehplätze, total 70 Plätze, eine Länge von 11 Metern, einen Radstand von 6,4 Metern, ein Leergewicht von 8 Tonnen und ein Bruttogewicht von 13.4 Tonnen. Die Fahrzeit beträt vier Minuten, was einer mittleren Geschwindigkeit von 1 Meter/Sekunde entspricht. Die Fahrzeuge und die Gebäude wurden 1998 renoviert und neu gestrichen. Wie die Bilder zeigen, ist der Antrieb immer noch von Hand. Neben der Bahn verkehrt als Unikum eine kleine Materialtransportbahn.
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