Die Eisenbahnen in Costa
Rica
Land und Geschichte
Die Republik von Costa Rica besteht seit
der Loslösung von Spanien im Jahre 1821. Vorerst noch ein Teil eines
Staatenbundes zusammen mit den umliegenden Ländern, der Bundesrepublik
von Zentralamerika, löste sie sich von den umliegenden Staaten im
Jahre 1839 und wurde von Spanien im Jahre 1850 anerkannt. Seit 1824 ist
San José, gelegen auf 1165 Meter über Meer, die Hauptstadt.
Das Land ist eine konstituelle Demokratie und eine präsidiale Republik.
Das Land hat 4,5 Millionen Einwohner, davon 85% Weisse, 10 Mestizen, 3%
Afro-Costa Ricaner, die seinerzeit aus Jamaika zum Bahnbau zur Atlantikküste
ins Land kamen, 1% Amerindianer und 1% Chinesen. Die Landfläche beträgt
51'000 km2. Die offizielle Sprache ist Spanisch, anerkannt ist auch Mekatelyu
als regionale Sprache. Das Land hat seit 1948 laut Verfassung keine Armee.
Zum Land gehören auch einige Inseln. Das Land hat 7 Provinzen, welche
in 81 Kantone unterteilt sind. Früher waren Kaffee, Bananen und Ananas
die Hauptprodukte, heute spielt der Tourismus, insbesondere der Ökotourismus,
und pharmazeutische und elektronische Produktion eine weitaus grössere
Rolle. Währungseinheit ist der Colón. Der grösste
Teil der Bevölkerung lebt im Hochland um San José. Weitere
Informationen findet man auf Wikipedia
auf Englisch.
Die Eisenbahn
Geografisch grenzt das Land im Norden
an Nicaragua, im Süden an Panama, im Westen an den Pazifik und im
Osten an den Atlantik. Deshalb war natürlich, dass die Hauptstadt
durch die Eisenbahn mit diesen Meeren verbunden wurde. Die erste Eisenbahnlinie
ging mit Kapspur von 1067 mm zum Atlantik, von Alajuela nach San José
und später nach Cartago, und von Limón bis nach Matina, doch
dann ging das Geld aus. Erst Jahrzehnte später konnte das fehlende
Zwischenstück gebaut werden, und die Strecke bis Limón konnte
erst im Dezember 1890 eröffnet werden. Das Material für diese
Strecke kam auf Ochsenkarren von Puntarenas nach Alajuela. Die erste formelle
Eisenbahngesellschaft war die Costa Rica Railway Co. Ltd. Weitere Linien
wurden von der United Fruit Co. im Bananen-Anbaugebiet am Atlantik gebaut,
um die Früchte abzutransportieren. Später folgte die Northern
Railway of Costa Rica, welche die Linien der Costa Rica Railway übernahm.
Die Strecke vom Pazifik nach San José, die Ferrocarril al Pacífico,
wurde, nach Ueberwindung zahlreicher baulicher Schwierigkeiten Juli 1910
mit der gleichen Spurweite von 1067 mm (Kapspur) eröffnet. Die grösste
Steigung beträgt 25 %o, zwischen der Atlantik- und Pazifikstation
in San José aber bis zu 40 %o. Die durchschnittliche Steigung beträgt
zwischen Caldera und San José 12 %o, der kleinste Kurvenradius 88
m.
Jede dieser Linien hat in San José
eine eigene Endstation, Estación al Atlántico und Estación
al Pacífico. Die weiter unten erwähnte Stadtbahn verkehrt unter
anderem
zwischen diesen beiden Stationen als eine Art Strassenbahn. Anfangs herrschte
natürlich Dampfbetrieb. Ebenso entstanden durch die United Fruit Co.
Bananentransportlinien an der südlichen Pazifikküste um Golfino
herum - wo auch noch zwei Dampfloks stehen -, darunter die Ferrocarril
del Sur als grösstes Netz. Im Jahre 1930 beschloss man die Elektrifizierung
der Pazifikbahn. 1977 wurden alle noch existierenden Bahnlinien unter der
staatlichen Gesellschaft FECOSA, Ferrocarriles de Costa Rica, zusammengefasst.
1980 wurden die Bananentransportlinien am Atlantik elektrifiziert. 1985
wurde FECOSA durch INCOFER, Instituto Costarricense de Ferrocarriles, ersetzt.
Alle nichtelektrischen Eisenbahnlinien werden mit Dieseltraktion betrieben.
Die Elektrifizierung der Pazifikbahn
Die Elektrifizierung der Pazifikstrecke
erfolgte durch die deutsche Firma AEG. Die Strecke ist sehr kurvenreich
und hat eine Länge von 130 km. Als erste Bahn in einem Tropenland
wählte man Einphasen-Wechselstrom von 15 kV, 20 Hertz und benötigte
deshalb kein Unterwerk. Das Kraftwerk baute man in Tacares, in der Nähe
von Turrucares, wo auch die Zweiglinie nach Alajuela abzweigte, im Fluss
Poas. Da das Flussbett zu schmal war, baute man die Transformerstation
etwa 70 m über dem Fluss und baute neben dem Druckrohr eine Standseilbahn,
von der es keine Bilder gibt (es war wohl eher eine Transportbahn). Der
erzeugte Strom von 6 kV wurde in der Transformerstation auf 16,5 kV aufgespannt
und mit einer 5 km langen Freileitung zum Bahnhof Turrucares, beim Km 30
ab San José, geführt
Die Elektrifizierung der atlantischen
Bananentransportbahn
Als nächstes erfolgte die Elektrifizierung
der 106 km langen, am Atlantik gelegenen Bananentransportbahn von Rio Frio
nach Siquirres und Puerto Limón. Die damals als FECOSA benannte
Staatsbahn, welche diese Linien übernommen hatte, betrieb diese
Strecke bis anhin mit Dieselloks. Da die Belastung mit über einer
Million Tonnen pro Jahr aussergewöhnlich hoch war, beschloss man die
Strecke grundlegend zu erneuern und zu elektrifizieren. Der Auftrag ging
an die Canadian Pacific Railroad (CPR), welche die im sumpfigen Boden liegenden
Geleise komplett und bis zum Gleisbett erneuerte. Wo immer möglich
wurde die Strecke begradigt. Da die Strecke als einzige Verbindung der
Gegend dient, mussten die Brücken auch für den Fussgänger-
und Autoverkehr gerüstet sein. Durchgehend Betonschwellen und teilweise
durchgehend verschweisste Schienen zeugen vom hohen Standard der Linie.
Anfang 1979 wurde die Elektrifizierung ausgeschrieben. Sie ging an die
europäische 50-Hz Arbeitsgemeinschaft, an der auch BBC beteiligt war
und sollte mit Wechselstrom von 25 kV und 50 Hz erfolgen. Die Federführung
hatte AEG inne. Natürlich genügte das kleine und weit entfernte
Kraftwerk bei Turrucares nicht, und so musste die Linie an das öffentliche
Drehstromnetz mit 60 Hz, angeschlossen werden. Deshalb erfolgte die Elektrifizierung
schlussendlich mit Wechselstrom von 25 kV und 60 Hz. Vom Speicher-Kraftwerk
Cachi geht eine Drehstromleitung zum Dieselkraftwerk Moin an der Atlantikküste.
Diese führt nahe an Siquirres vorbei, und einige Kilometer östlich
bei der Bananenpflanzung "Freehold" wurde das Hauptunterwerk und die Fernsteuerzentrale
gebaut. Das zweite Unterwerk steht in der Nähe von Moin, am Ende der
elektrifizierten Strecke. Seither wurden die Dieselgruppen nur noch selten
eingesetzt. 95% des Strombedarfs deckt Costa Rica aus Wasserkraft. Da es
keine Platzprobleme für die Fahrdrahtabweichung gibt, konnte diese
- wie bei der Pazifikbahn - auf plus-minus 400 mm festgelegt werden, sodass
die Loks problemlos auf beiden Linien fahren können.
Das Rollmaterial (detailliertere Angaben
im Buch "The Railways of Costa Rica", siehe Quellenliste unten)
Die Dampfloks
Es sind insgesamt fünf erhaltene
Dampflokomotiven bekannt. Die Lok
Nr. 1 der Ferrocarril al Pacífico wurde 1898 von Dickson Manufacturing
Co. gebaut. Sie trägt den Namen "Maria Cecília" und stand hinter
der Werkstatt der Estación al Pacífico. Die Achsfolge ist
2-4-0. Die Lok Nr. 14 der gleichen Bahn mit dem Namen "Gandolfo" steht
am gleichen Ort wie die Nr. 1. Von ihr weiss man nur, dass sie von einer
panamaischen Firma im (undefinierten) Grenzgebiet eingesetzt wurde, von
wo sie von den Costa Ricanern übernommen wurde. Die Achsfolge ist
0-4-2T. Ein Bild ist auf der Fotoseite. Die Lok
Nr. 59 der Costa Rica Northern Railway stand im Museum an der Estación
al Atlántico und ist eine 2-6-0 der Baldwin Locomotive Works, die
1907 gebaut wurde Die Konstruktionsnummer ist 31880, das Leergewicht 96
Tonnen und sie wurde mit Kohle gefeuert. Von einer vierten Lok, Nr. 84,
eine Baldwin 2-8-2, existiert
ein Bild. Sie war zuletzt in San José ausserhalb des Estación
al Atlántico, heute ein Museum, MUFES, Museu de Formas y Espácios,
aufgestellt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wurde sehr
schön restauriert. Die Lok Nr. 102 (eine Foto existiert nicht) der
Ferrocarril del Sur war im Depot dieser Bahn in Golfito, einer Hafenstadt
340 km südlich von San José am Pazifik, zusammen mit einer
weiteren Lok, stationiert. Sie ist eine 2-8-2 und wurde 1940 von den Baldwin
Locomotive Works mit der Fabriknummer 64445 gebaut. Sie wurde mit Kohle
gefeuert. - Es ist auch bekannt, dass Baldwin nach dem 2. Weltkrieg überflüssige
Loks der Transporteinheit der amerikanischen Armee mit der Achsfolge 2-8-2
unter anderem nach Costa Rica verkaufte.
Die Dieselloks von General Electric
1951 erwarb die United Fruit Co. 4 Loks
65T, Bo'Bo', Cu NHBIS 600 Motoren von 400 PS und den Nummern 60-63. 1955
erwarb die Northern RR of Costa Rica vier Loks 52T, Bo'Bo', von 420 PS.
und den Nummern 30-33. 1957 folgten weitere 6 Loks mit gleicher Ausrüstung
und den Nummern 34-39. 1957 folgten weitere 8 Loks mit gleicher Ausrüstung
und den Nummern 40-47. 1959 erhielt die Cia. Bananera de Costa Rica drei
Loks U6B, Bo'Bo', mit Caterpillar D379-Motoren von 700 PS und den Nummern
50-53. 1966 erhielt die FECOSA, Ferrocarriles de Costa Rica, vier gleiche
Loks U6B, aber von 720 PS, mit den Nummern 54-59. 1971 folgten fünf
Loks U10B, ebenfalls Bo'Bo', aber mit Caterpillar D398-Motoren von 825
PS und den Nummern 75-79. 1979 folgten 10 Loks U11B mit gleicher Ausrüstung,
aber mit 1100 PS und den Nummern 80-89..
Die Elektroloks für die Pazifikbahn
von 1930 bis 1978
Für den Transport der Personen- und
Güterzüge mit einem Gewicht von bis zu 200 Tonnen wurden 1930
acht sechsachsige Lokomotiven Nr. 1-8 der Bauart A1A+A1A beschafft, also
zwei kurzgekuppelte Drehgestelle mit insgesamt 4 Triebachsen und dazwischen
2 Laufachsen. Die 4 Reihenschlussmotoren hatten eine Dauerstundenleistung
von 650 PS bei bei 25 km/h. Das Dienstgewicht war 56,8 Tonnen, die Höchstgeschwindigkeit
war 50 km/h. Die Gesamtlänge über Zughaken war 12,1 m, die grösste
Breite 2,6 m und die die Höhe 3,75 m über der Schiene. Die Lok
hat zwei Führerstände. Bedient werden die Loks mit 10 Stufenschützen,
was 10 Fahrstufen entspricht. Montiert wurden die Lokomotiven in der Werkstatt
in San José. Als Bremsen dient eine Westinghouse-Druckluftbremse
ohne Zusatzbremse, je eine Spindelbremse pro Drehgestellt dient zur Stationierung
der Loks. Ende 1930 wurde die elektrifizierte Strecke in Betrieb genommen.
1935 wurden von AEG zwei weitere Lokomotiven Nr. 9-10, später Nr.
28-29 und später Nr. 128-129, mit der gleichen Achsanordnung und den
gleichstarken Motoren geliefert. Die Loks Nr. 1-6 erhielten später
die Nr. 21-26 und später die Nr. 121-126. Lok Nr. 7 verunglückte
1930. Aus den Teilen wurde eine neue Lok Nr. 11, eine Rangierlok mit der
Achsfolge A1A, später Nr. 20 und später Nr. 120, gebaut.
Lok Nr. 126 erhielt 1959 moderne Endkabinen und später zwei Bo'Bo'-Drehgestelle
mit 1500 PS von einer Henschel-Siemens-Lok (siehe unten). Lok Nr. 8 wurde
später Nr. 27, später Nr. 127, und erhielt als diese die Bo'Bo'-Drehgestelle
von Lok Nr. 126, die kein Erfolg war. Lok Nr.127, mit den neuen Drehgestellen,
ist auf der Fotoseite zu sehen. Bewahrt wurde die Lok
Nr. 3, welche in San José in der Estación al Pacífico
aufgestellt ist. An ihr sieht man gut die ursprüngliche A1A-A1A -
Achsfolge. 1939 wurden zwei weitere gleichartige Loks und eine Rangierlok
bestellt, die aber infolge des Ausbruchs des Weltkrieges nicht mehr geliefert
wurden. Im Jahre 1958 (Foto
der Einweihung) folgten noch weitere vier Lokomotiven von Henschel
und Siemens mit der Achsfolge Bo'Bo' und den Nummern 30-33, später
Nr. 130-133, von denen eine im heutigen Zustand abgebildet ist. Sie haben
Motoren von 1500 PS und ein Gewicht von 60 Tonnen und sind abgeleitet von
der E41 der Deutschen Bundesbahn. Mehr ist nicht bekannt.
Die neuen Elektroloks der Bananentransport-
und Pazifikbahnen von 1980
Die FECOSA hatte zwölf Lokomotiven
der Anordnung Bo'Bo' mit einer Nennleistung von 1200 kW angefragt, die
mit Rücksicht auf die Pazifikbahn als Zweifrequenzlokomotiven gebaut
wurden, von denen im Endzustand 8 Loks auf der Bananentransportstrecke
und der Rest freizügig auf der Pazifikstrecke eingesetzt werden sollten.
Auch die zulässige Radsatzlast von 16 Tonnen der Pazifikstrecke und
die hohe Dauerbelastung der Loks nahe der Adhäsionsgrenze bedingten
die Wahl eines leistungsfähigen Mischstrom-Fahrmotors, der bereits
bei den Südafrikanischen Staatsbahnen (SAR) mit einer Nennleistung
von 500 kW eingesetzt worden war. Der Adhäsionskoeffizient von 0,25
ist in der Nähe der Werte der schweizerischen Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn
(BLS). Auf der weitgehend ebenen Bananentransportbahn war eine Höchstgeschwindigkeit
von 80 km/Stunde vorgeben, im regulären Dienst mit 800 t waren 60
km/h vorgesehen. Statt der damals üblichen Thyristorstromrichter wählte
man mit Rücksicht auf die Pazifikstrecke eine Schaltwerksteuerung
mit einfachem Silizium-Dioden-Gleichrichter und 28 Stufen bei 20 Hz sowie
22 Stufen bei 60 Hz. Automatische Frequenzumschaltung ist vorhanden und
Mehrfachtraktion ist möglich. Die fremderrregte Widerstandsbremse
kann getrennt oder zusammen mit der Westinghouse elektropneumatischen Druckluftbremse
angesteuert werden und kann Zuggewichte bis zu 300 Tonnen im Gefälle
von 27 o/oo der Bergstrecke in Beharrung halten. Alle zwölf Lokomotiven
mit den Nummern 134 bis 145 wurden 1981 ausgeliefert. Sie haben ein Niederspannungsschaltwerk
der DB-Lok E-41, Diodengleichrichter und Wellenstrommotoren. Der mechanische
Teil stammt von Alstom Atlantique in Belfort, der elektrische Teil von
AEG, Siemens und BBC (Brown Boveri & Cie., Baden/Schweiz). Auf der
Pazifikstrecke ist die Maximalgeschwindigkeit der Lok 32 km/h. Die Lok
wiegt 64 Tonnen. Von diesen Loks stehen 11
nördlich der Werkstatt der Estación al Pacífico
in San José und warten auf bessere Zeiten, was die Tageszeitung
"La Nación" in einem
Zeitungsartikel
diskutiert
hat. 1983 wurden die Elektroloks Nr. 146 und 147, umgebaut aus den rumänischen
dieselhydraulischen FAUR-Loks 63 und 69, mit elektrohydraulischem Antrieb
für die Pazifikbahn in Betrieb genommen, die von der FECOSA umgebaut
worden waren. Sie waren allerdings kein Erfolg.
Die neuere Entwicklung
Durch starke Erdrutsche wurde die Strecke
zwischen Cartago und Turrialba 1988 zerstört und das Eisenbahnnetz
in zwei Teile geteilt. Ein starkes Erdbeben beschädigte 1991 die Strecken
entlang der atlantischen Küste, die jedoch innert zwei Wochen wieder
instandgestellt wurden. Allerdings war die atlantische Banantransportlinie
schon früher wegen der Erschöpfung der Bananenfelder und der
hohen Stromtarife nicht mehr konkurenzfähig. Bananen werden am Abend
transportiert, wenn die Tarife am höchsten sind, und die Elektrizitätswerke
waren nicht zu Konzessionen zu bewegen. Weitere Gründe waren die hohen
Personalkosten (Ueberbemannung), und so wurden die Transporte auf Lastwagen
umgestellt. Als Folge davon wurde der Betrieb 1995 eingestellt. Die atlantische
Fahrleitung wurde im Wettebewerb mit privaten Kupferdieben abgebaut. 1997
und 1998 übernahm die Regierung des Landes verschiedene Versuche,
die Bahn zu privatisieren. Doch die potentiellen Betreiber stellten entweder
zu hohe Forderungen an den Staat oder wollten von der Bahn nur Teilstrecken
übernehmen. Da die Ueberlastung der Strassen immer mehr zunahm, kam
die Erkenntnis auf, dass es ohne Eisenbahn nicht mehr geht, weshalb die
Regierung 2000 Incofer reaktivierte. Incofer übernahm den Betrieb
und stellte die Strecken instand. Heute verkehren sowohl auf der Pazifikstrecke
als auch auf der Bananenbahn Dieselloks. Der einzige Passagierzug, ein
Ausflugszug, ist der Tico-Zug
von America Travel, der in Rio Grande de Atenas hält, wo sich
das Eisenbahnmuseum befindet, und der dann bis nach Caldera fährt.
Eine Zweigstrecke von 4,6 km ab Salinas verbindet die bisherige Bahn mit
dem neuen Hafen, der im Laufe der 70er Jahre den Hafen von Puntarenas ersetzte,
welcher nicht mehr tief genug war und dessen Einfahrt zu schmal für
Containerschiffe war. Der Tico-Zug fährt allerdings nur 2,3 km auf
der Zweigstrecke zum Hafen bis zum Strand von Caldera. Der Zug besteht
aus einer GE-Dieselelektrolok U11 B von 1979 (zwei von 10 importierten
Loks), die Caterpillar-Motoren Typ 388 und 398, 1100 PS bei 6000 Volt besitzt,
eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h erreicht, 64 Tonnen wiegt,
38 Fuss lang, 12 Fuss hoch und 9 Fuss breit ist. Des weiteren gibt es Reisezugwagen
von 1941 aus Deutschland (blaue Wagen) für 46 Sitzplätze, metallfarbene
Wagen von 1960 aus Japan und Güterzugbegleitwagen. Fahrpläne
findet man beim
Fahrplancenter.
INCOFER hat eine bescheidene Webseite.
Dort findet man die hoffnungsvolle Information, dass das Bahnwesen in 3
Etappen aufgemöbelt werden soll. Zuerst sollen die Bananenbahnen im
Valle de la Estrella und nachher die Uebrigen, anschliessend die Pazifikstrecke
konzessioniert werden. Ferner soll das Unterwerk in Tacares eine gesteigerte
Leistung im Rahmen des Möglichen erhalten.
Bahnen zur Besichtigung des Regenwaldes
Schon früher gab es drei Besichtigungslinien,
die auf Baumwipfelhöhe die Besucher durch den Regenwald führten.
Das nennt sich Sky
Tram, ist aber kein Tram sondern eher ein Gondelbahn. Die Gondeln bieten
neun Passagieren und einem Guide Platz.
Neu ist hingegen die Monteverde
Trainforest Railway - die Website hat spanische und englische Informationen
-, welche in der Gegend von Puntarenas über eine Strecke von 6 km
führt. Allerdings dauert die Fahrt 90 Minuten. Der Zug fährt
stündlich von 07 Uhr bis 17 Uhr ab der Station, welche 5 km von der
öffentlichen Schule von Santa Elena, in Monteverde, liegt. In der
Nähe befindet sich auch die Werkstatt. Das Rollmaterial besteht aus
zwei dieselhydraulischen Loks in der Form von alten Dampfloks, Model Texiko,
mit den Namen Dona Delsa und Rolo, die von der britischen Firma Severn
Lamb Ltd. in Stratford on Avon hergestellt wurden, eine Firma, welche
für Modellbau bekannt ist, und drei Passagierwagen mit Platz für
je 72 Passagiere. Die Spurweite ist 24 Zoll, was 70 cm entspricht.
Touristen zahlen USD65, ausländische Studenten USD32.50, Einheimische
5000 Ticos und einheimische Studenten sowie Ehrenbürger 2500
Ticos. America
Travel organisiert Ausflüge ab San José.
Die Stadtbahn in San José
In unserem Informationsteil haben wir
wiederholt über der Stadtbahn in San José zwischen Pavas und
Universidad Latina berichtet. Ursprünglich wurde die Strecke zwischen
den Stationen der Atlantik- und Pazifikbahn, die auf der Strasse verläuft,
nur für den Austausch von Rollmaterial zwischen der Atlantik- und
Pazifikbahn benützt. Der Betrieb der Stadtbahn begann mit einer Lok
und sechs Personenwagen. Der Zug war sehr schnell sehr erfolgreich und
es brauchte Verstärkung. Dafür wurde einer der von FEVE, Spanien
1991 erworbenen Apolo-Triebwagenzüge, die ursprünglich zwischen
San José und Cartago verkehrten, aufgearbeitet und wieder in Betrieb
genommen. Später folgte ein zweiter Zug. Im Jahre 2002 wurde der fahrplanmässige
Betrieb auf der Stadtbahnstrecke aufgenommen. Vor kurzem folgten zwei ebensolche,
aber zweiteilige Züge (den Mittelwagen hatte man in Spanien vor einiger
Zeit eliminiert, da die Motorleistung der MAN-Motoren mit den Jahren schwächer
geworden war). Während die bisherigen Züge, verstärkt mit
einem Lokzug mit zwei Loks und acht Wagen, zwischen Pavas und Universidad
Latina verkehren, sollen die neuen
Züge auf der Strecke in nordöstlicher Richtung nach Heredia
verkehren (wo man die alten Schienen wieder ausgegraben hat). Diese Strecke
wurde inzwischen eröffnet. Den Fahrplan findet man im Fahrplancenter.
Die Bergbahn im Hotel "Los Heroes"
findet man auf einer separaten
Seite. Jetzt mit vielen neuen Bildern, einschliesslich der RACO-SAURER-Lok
vor und nach der kürzlichen Renovation!
Strassenbahnen
gab es in San José, in Puntarenas
und Cartago, konventionelle Linien mit Zweiachsern, eingleisig mit Ausweichen,
und als Kuriosität in Guácimo, 125 km nordöstlich von
San José, wo die Northern Railway of Costa Rica mit einem auf Benzinmotor
umgebauten und von 1638 mm Spurweite auf 1067 mm umgebauten ehemaligen
PCC-Wagen aus Baltimore/USA einen Personenverkehr betrieben. Mehr über
diese Trams auf Allen Morrison's exzellenter Website.
Der Dank des Webmasters geht an Hans
Streiff, ehemaliger Ingenieur bei Brown, Boveri & Co. in Baden/Schweiz
und Vizepräsident des SEAK, Schweizerischer Eisenbahn-Amateurklub
Zürich, für die Ueberlassung der Unterlagen der Zeitschrift "Elektrische
Bahnen", welche wesentliche Information über die Geschichte dieser
Bahnen enthielten, die sonst nirgends zu finden waren.
Quellen
Für weitere detaillierte Informationen,
speziell auch über die Dampf- und Dieselloks, empfehlen wir das Buch
"The Railways of Costa Rica" von Richard Yudin, erschienen im Jahr 2000,
Verlag P. E. Waters& Associates, Consulting Engineers, ISBN 0 948904
56 9, das im
Internet noch erhältlich ist. Das Buch enthält zahlreiche
unbekannte Aufnahmen, komplette Streckenpläne und ein ausführliches
Rollmaterialverzeichnis.
Weitere Quellen:
Wikipedia, Seite
über Costa Rica
Wikipedia, Seite
über die Eisenbahnen Costa Ricas
Elektrische Bahnen, Zentralblatt für
den elektrischen Zugbetrieb, Seiten 142 bis 146
Elektrische Bahnen, 81. Jahrgang 1983,
Heft 10, Seiten 322 bis 326
Elektrische Bahnen, Historie Journal,
eb 106 (2008) Heft 7, Seiten 333 bis 334
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