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FREUNDE LATEINAMERIKANISCHER BAHNEN FLB / AIFFLA PR-ABTEILUNG: Samuel Rachdi, Bahnhof, CH-6422 Steinen SZ; Tel. +41/41/832.01.34; Fax +41/41/832.01.35
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VOLTA O TREM 9. Jahrgang, Nummer 3 07. April 2005
FLB-INTERN An der Generalversammlung am 26. Februar 2005 fand nebst den üblichen Geschäften, die alle zügig abgewickelt wurden, eine sehr spezielle Diskussion und anschliessende Abstimmung statt. Wie in VoT 9-1 angekündigt, wurde über die Gründung einer Genossenschaft zum Betrieb von Eisenbahnen in Lateinamerika intensiv diskutiert und es wurden die verschiedenen Alternativen besprochen. Mit einer Mehrheit wurde nun festgehalten, dass FLB/AIFFLA vom Vereinsstatus zu einer Genossenschaft nach schweizerischem Recht umgewandelt wird. Dies hat den Vorteil, dass Genossenschafter, egal in welchem Land sie leben, nur mit dem eingebrachten Kapital haften. Das heisst, dass wenn ein Genossenschafter für 100 Euro Anteilschein zeichnet, so können diese im schlimmsten aller Fälle ihren Wert verlieren; mehr kann niemandem passieren. Dafür werfen die Anteilscheine keine Zinsen ab; sie können nur zum Nominalwert wieder an die Genossenschaft zurückverkauft werden. Die Bildung einer solchen Organisation wurde immer drängender, denn nur als Verein hätte FLB/AIFFLA kaum je die Möglichkeiten erreicht, selber direkt an der Gründung von Bahnunternehmen mit zu wirken. Als Genossenschaft hingegen ist dies ohne weiteres möglich, wobei dann auch die Consulting Dienste, um welche AIFFLA schon angefragt wurde, auch besser in Rechnung gestellt werden können. Diese Organisationsänderung wird jedoch an unseren internen Aktivitäten nichts ändern. Es werden weiterhin Treffs durchgeführt, die VoT wird weiter erscheinen, usw. Die Genossenschaftsgründung wird einiges an Arbeit verschlingen, und es muss auch rechtlicher Beistand beigezogen werden, damit alles seine Ordnung haben wird. Es wird auch zu einer ausserordentlichen Generalversammlung kommen, deren Datum bekannt gegeben wird, sobald die notwendigen rechtlichen Massnahmen ausgeführt wurden. Im übrigen wurde von den Anwesenden die Gründung zweier Organisationen (Verein und Genossenschaft) sehr klar abgelehnt, die Umwandlung des Vereins in eine Genossenschaft hingegen wurde angenommen. Im Bahnwesen Lateinamerikas findet man zahlreiche Genossenschaften (Cooperativas); so wird die Personenzug- verbindung Barrancabermeja - Grecia in Kolumbien von einer Genossenschaft betrieben; in Argentinien sind verschiedene Bahnbetriebswerke in Genossenschaften organisiert, und auch im touristischen Bahnverkehr findet man Genossenschaften. LATEINAMERIKA-NEWS "Volta o Trem" 9-2 berichtete über die Eröffnung der Bahnverbindung Buenos Aires - Córdoba; doch die Sache hatte wieder einmal einen "Haken"; da die Tarife zu jenem Zeitpunkt von der Regierung noch nicht bewilligt waren, wurde die Inbetriebnahme des Zuges auf den 10. April verschoben. Damit jedoch das Personal nicht so lange untätig bleibt, wurde über das Wochenende 3./4. April eine Hin- und Rückfahrt zur kostenlosen Benutzung durch Interessierte ausgeführt. Die Medien vermelden denn auch strahlend, dass diese Fahrten pünktlich und ohne Zwischenfälle abliefen! Argentinien/Uruguay INTERNATIONALER ZUG Die argentinische Kooperative Ferrotur
hat im März 2005 erstmals einen touristischen Personenzug von Concordia
auf dem Salto Grande Damm bis auf Staatsgebiet von Uruguay gefahren. Anwesend
war auch der Gouverneur der Provinz Entre Rios. Diese Fahrten wurden schon
länger angekündigt. Der Zug besteht aus einer Diesellok und je
zwei Wagen der 1. und der Pullman-Klasse aus den Beständen der ehemaligen
Ferrocarriles Argentinos. Ursprünglich wurde nur an Charterverkehr
oder Fahrten an speziellen Tagen gedacht; doch völlig unerwartet hat
der Gouverneur von Entre Rios in Buenos Aires den Antrag gestellt, diesen
Zug jedes Wochenende vom Bahnhof Concordia bis in den Bahnhof Salto (Uruguay)
und zurück verkehren zu lassen. Man darf gespannt sein, ob dieser
Antrag bewilligt wird.
Brasilien Mato Grosso do Sul Unlängst wurde bestätigt, dass der "Expresso do Pantanal" im Oktober 2005 den Betrieb zwischen Corumbá und Porto Esperanza aufnehmen wird. Der Staat Mato Grosso do Sul steht sehr stark hinter diesem Projekt und will nun alle Strecken auf dem Staatsgebiet (auch Campo Grande - Porto Esperanza, Campo Grande - Três Lagoas und Campo Grande - Ponta Porã) für den Personenverkehr (touristisch und sozial) reaktivieren. Paraná Der Personenverkehr von Serra Verde Express zwischen Curitiba und Paranaguá verkehrt wieder Samstag und Sonntag über die Gesamtstrecke; an Wochentagen wird jedoch wegen Streckenüberlastung nur Curitiba - Morretes gefahren. Zwischen Morretes und dem Hafen Antonina
werden wieder Güter transportiert, und die Strecke ist auch für
Personenverkehr zugelassen; allerdings werden nur Charterzüge gefahren.
Ecuador Statistik: 2005 verkehrten bis 31. März genau 2 Züge zwischen Durán und Yaguachi; es waren dampflokbespannte Sonderzüge, die an kirchlichen Feiertagen Einwohner aus Guayaquil und Durán zum Wallfahrtsort Yaguachi brachten. Je Fahrt wurden mindestens 700 Personen befördert (man hat nur die Anzahl verkaufter Fahrkarten gezählt!). Pressemitteilungen zufolge beginnt sich
in der Region Ibarra und um San Lorenzo Widerstand gegen die von der Regierung
geplante Stilllegung der beiden Streckenäste Ibarra - Primer Paso
und Cachavi - San Lorenzo zu bilden. Sogar Anliegergemeinden beteiligen
sich daran, und einige wollen sogar Geld für den Erhalt ausgeben.
Es wird gar vom Wiederaufbau der ganzen Bahnstrecke Cajas - Ibarra - San
Lorenzo gesprochen, wobei sogar die Provinz Esmeraldas Interesse daran
zeigt. Man versucht, die Regierung davon zu überzeugen, die Bahnstrecke
den lokalen Behörden abzutreten.
Die Staatsbahn FNH steht auch kurz vor dem Ende, aber wie gesagt, immer nur kurz davor. Der Personenzug San Pedro Sula - Tela wurde eingestellt. Es verkehren aber noch sehr unregelmässig Holztransporte zum Hafen Puerto Cortés. Hingegen hat sich der eher unbekannte Nahverkehr
in der Stadt La Ceiba bis heute gehalten. Ja, man kann ihn fast als "S-Bähnchen"
bezeichnen. Eine Lok und ein primitiv zum Personenwagen umfunktionierter
Güterwagen, pendeln alle 30 Minuten Montag bis Freitag zwischen dem
Bahnhof La Ceiba, oder besser einem Bahnübergang in unmittelbarer
Nähe, und dem Barrio Occidental, einem Vorort. Der Zug kostet mit
3 Lempira je Weg sogar 25% weniger als der Bus. Da keine Umsetzmöglichkeit
für die Lok besteht, wird der Wagen in einer Richtung gezogen, in
der anderen geschoben. Der ganze Betrieb beschäftigt 3 Personen. Dieser
Verkehr begann, als vor wenigen Jahren nach dem Hurrican Mitch die Stadt
von der Aussenwelt nahezu abgeschnitten war und auch zwischen diesen westlichen
Vororten und dem Stadtzentrum keine Strasse mehr befahrbar war; das Bahngeleise
hingegen blieb offen. Heute ist man um diesen Verkehr froh, und es wurden
sogar einige, namenlose Bedarfshaltestellen eingerichtet, die sogar Wartehäuschen,
hergestellt aus gedeckten Güterwagen die man neben die Strecke stellte,
aufweisen. Nicht nur in Afrika, auch in Lateinamerika weiss man, wie man
ohne Geld und mit allereinfachsten Mitteln einen zweckmässigen Verkehr
betreiben kann.
Kolumbien In Cali beim Ferrocarril Occidental laufen Vorbereitungen,
um im Valle del Cauca und zwischen Buenaventura und Calí Touristenzüge
verkehren zu lassen. Da sich der Güterverkehr sehr schlecht entwickelt,
oft weniger als ein Zug je Woche, will man auf den renovierten Strecken
Züge für Touristen verkehren lassen, um überhaupt Einnahmen
zu erzielen, ausserdem könnten die Loks mehr benutzt werden; einige
weisen nämlich wegen Unternutzung Standschäden (!) auf.
Salvador: AEI Nicht ganz tot zu kriegen ist die Staatsbahn in El Salvador. Nach 10 Monaten absoluter Betriebspause wurde sie reaktiviert, wenigstens auf den wenigen Kilometern zwischen San Salvador und Soyapango. Nach dem zwischen diesen zwei Städten Ende Oktober 2004 eine Strassenbrücke wegen Hochwassers weitgehend eingestürzt war, hatte man sich der guten alten Eisenbahn besonnen und im November 2004 eine Diesellok und 5 Personenwagen in Betrieb gesetzt. Immerhin werden Montag bis Freitag 5 und Samstag 2 Hin -und Rückfahrten je Tag angeboten, eine kaum je erreichte Zugsdichte auf diesem Streckenabschnitt. Dieser Verkehr wird noch bis Ende April 2005 dauern, da dann die neue Strassenbrücke eröffnet wird. Die Zustände sind in der Tat nicht
eben rosig für diesen Bahnverkehr. Der Bahnhof San Salvador ist heute
ein Baustoffmarkt durch welchen die Passagiere zum Zug kommen. Jeder Wagen
wird von einem bewaffneten Polizisten begleitet, da der Zug durch die schlimmsten
Armenviertel der Hauptstadt fahren muss. Wenn auch Lok und Wagen technisch
in Ordnung sind, so weisen die Wagen nur Holzbänke und keine Fensterscheiben
mehr auf. Der ganze Verkehr wird gerade noch von einer einzigen Managerin
verwaltet. Es verkehrt jedoch kein weiterer Zug auf dem ganzen Netz der
FENADESAL und ab Mai wird es wieder sehr ruhig werden auf allen Geleisen
des Landes.
Uruguay Die neue Regierung und die neue AFE-Staatsbahndirektion haben einstimmig bekannt gegeben, dass "baldmöglichst" der Nahverkehr zwischen Montevideo, Sayago, Toledo, Pando und Victor Sudriers aufgenommen werden soll. Auch solle der alte Hauptbahnhof Montevideo wieder ans Netz angeschlossen werden und wieder als Personenzugterminal dienen. Bei der Einsetzungszeremonie der neuen
AFE Direktion war auch Marcelo Benoit, Vorsitzender des Fahrgast Komitees
Grupo de Pasajeros en Defensa de la Estación Central und Leiter
von Líneas Férreas Uruguayas, anwesend, und er konnte die
Vorstellungen zur Nutzung des Hauptbahnhofes, wie sie durch beide Organisationen
vertreten werden, den neuen Direktoren vorlegen.
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